Zusammenfassung

 

 

 

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem konservatorischen Einsatz synthetischer Polymere an Wandmalereien. Am Beispiel der Quedlinburger Gewölbemalereien in der Krypta der Stiftskirche St. Servatius wurde der Einfluss eingebrachter Kunststoffe einer Restaurierung vor 35 Jahren untersucht. Dabei war die Klärung schadensdynamischer Prozesse von besonderer Bedeutung und konzentrierte sich auf die nachweislich eingetragenen Polymere: Polyvinylalkohol, Polyvinylacetat und Acrylharz.

An ausgewählten vergleichbaren Produkten (Mowiol 4-98, Mowilith DMC 2 und Plextol D 498) wurden verschiedene Prüfmethoden durchgeführt, um die Wirkung synthetischer Polymere auf das poröse mineralische Gefüge zu testen. Neben einem mittelfristigen Langzeitverhalten konnte dabei eine graduelle Steigerung des Schadensausmaßes beobachtet werden.

In den 1960er Jahren begann in Sachsen- Anhalt mit einer neuen Generation von Restauratoren die Erprobung von Kunststoffprodukten für den Einsatz in der Konservierung von Wandmalerei. Die von der Kunststoffindustrie bereitgestellten Produkte wurden ausgewählt und im Labor sowie am Objekt getestet. Die vorerst positiven Ergebnisse führten zu einer schnellen und weitreichenden Akzeptanz synthetischer Polymere. Die 1967/68 unter der Leitung Konrad Riemanns durchgeführte Konservierung an den Gewölbemalereien der Krypta der Stiftskirche zu Quedlinburg war eine der ersten Anwendungen synthetischer Produkte im Gebiet der damaligen DDR. Aufgrund einer vermehrten Schädigung der Malereien in den letzten Jahren erschien es erforderlich, die eingebrachten Materialien hinsichtlich ihrer Wirkung im porösen Gefüge zu überprüfen.

Viele der in den sechziger und siebziger Jahren in Sachsen-Anhalt konservierten Wandmalereien zeigen heute ein durch die Wechselwirkung von Salzen und Feuchtigkeit mit den filmbildenden Polymeren verursachtes Schadensbild, das sich durch Blasenbildung, mikrobiologischen Befall sowie Versprödung und Verbräunung der Malereioberfläche auszeichnet. Einige der Objekte, vor allem romanische Wandmalerei, weisen einen alarmierenden Zustand auf, der den Anlass zu einer kritischen Hinterfragung bezüglich filmbildender Materialien auf porösen Untergründen geben sollte.

In Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege (LfD), Abteilung für Restaurierung (Dr. Thomas Danzl), und der Fachklasse für Konservierung und Restaurierung von Wandmalerei und Architekturfarbigkeit der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) Dresden (Prof. Heinz Leitner) wird seit August 2001 ein mehrjähriges Arbeitsprogramm an den Gewölbemalereien der Krypta in der Stiftskirche St. Servatius in Quedlinburg verwirklicht. Auf der Basis einer umfassenden Objektanalyse steht als Ziel die Erarbeitung eines Konservierungskonzeptes[1], welches in einer Probeachse umgesetzt werden soll. Eine genaue fotografische Dokumentation[2], die detaillierte Schadenskartierung[3] und Schadensanalyse, vertiefte raumklimatische Untersuchungen[4], die kunsthistorische Einordnung der Malereien[5] und deren maltechnische Untersuchung[6] sowie die Erprobung verschiedener Behandlungsmethoden sind einige Punkte, die als erforderliche Grundlagen für eine fundierte Konzeption erarbeitet wurden oder werden.

Der Anteil der Kunststoffe am Schadensprozess steht im Mittelpunkt dieser Veröffentlichung. Das heute an den Gewölbemalereien vorgefundene Schadensbild wurde auf seine Faktoren hin untersucht. Dabei waren vor allem die in Quedlinburg 1967/68 verwendeten Polymere Polyvinylalkohol (PVAL), Polyvinylacetat (PVAC) und Polymethylmethacrylat (PMMA) von besonderem Interesse. Es sollte beantwortet werden, in wieweit die eingebrachten Kunststoffe am Schadensprozess beteiligt sind. Hierbei waren die chemisch- physikalischen und mechanischen Eigenschaften des mineralischen Gefüges in Verbindung mit den Polymerfilmen von Bedeutung. Die Erarbeitung verschiedener Kennwerte erfolgte anhand ausgewählter Prüfverfahren.


[1] Lehmann, Martin: Die Gewölbemalereien in der Krypta der Stiftskirche St. Servatius in Quedlinburg, Erstellung eines Konservierungs- und Restaurierungskonzeptes, Diplomarbeit 2003/04.

[2] Asmus Steuerlein.

[3] Stefan Klotz, Christian Schirmer, Arnulf Dähne, Kerstin Risse.

[4] in Zusammenarbeit mit dem Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen (IDK) in Sachsen und Sachsen- Anhalt e.V., Dipl.-Ing. Kalisch.

[5] Unger, Gabriele: Die romanische Wandmalerei in der Krypta von St. Servatius in Quedlinburg, Diss. TU Berlin, in Bearbeitung.

[6] Ewert, Henry: Untersuchungen zur Maltechnik der Gewölbemalereien in der Krypta der Stiftskirche St. Servatius zu Quedlinburg, Seminararbeit 2003/04, in Bearbeitung

 

 

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