Die Wandmalerei im Festsaal der Burg Rabenstein

Untersuchungen zu Bestand und Zustand, Konservierung und Restaurierung

 

Die Burg Rabenstein befindet sich im Nordwesten von Chemnitz. Auf einem Felssporn gelegen und ursprünglich nur im Norden und Süden von einem Wassergraben umzogen, war sie in ihrer frühen Zeit eine hochmittelalterliche Burganlage mit Bergfried und Wehrmauer, erweitert um einen palasartigen Ostflügel und weitere Teile der Oberburg. Die bisherigen Untersuchungen erlauben eine Datierung ins frühe 14. Jahrhundert und stimmen somit mit den ersten urkundlichen Erwähnungen überein.

Die Wandmalereien im Festsaal sind in ihrem fragmentarischen aber weitestgehend unverfälschten Erhaltungszustand ein für den Raum Chemnitz einzigartiges kulturhistorisches Zeugnis. Sie erstrecken sich in zehn Fensternischen entlang der Außenwände und betonen durch ihre Anordnung die architektonische Gliederung des Raumes. In oval ausgeformten durch Beschlagwerk begrenzten Kartuschen werden verschiedene Tiere dargestellt, die ganz unterschiedlichen Vorstellungen entspringen. Zum einen sind es bekannte, einheimische Tiere, wie Pferd, Hund, Hase oder Ziegenbock. Weiterhin zeigen sich Wesen, die der Fabelwelt entlehnt sind (Einhorn, Greif). Die Darstellungen von Kamel, Löwe, oder Elefant sind ihrer Herkunft nach exotische Geschöpfe, von denen zur Entstehungszeit der Malereien hingegen nur vage Vorstellungen existierten. Im floralen Schweifwerk der angrenzenden Flächen werden verschiedene Vogelarten gezeigt. Die schwungvolle, leichte Ornamentik gibt der Malerei einen lebendigen Charakter und verleiht dem Raum eine festliche Stimmung. Die in Kalktechnik ausgeführten Wandbilder weisen eine stark begrenzte Farbpalette auf, die jedoch ursprünglich wesentlich reicher war und sich heute durch die Veränderung von Pigmenten bzw. Farbstoffen auf die Farbtöne Gelb, Rot, Grau, Schwarz und Weiß reduziert.

Burg Rabenstein von Südwesten.

Blick nach Osten in den Festsaal, 1.OG.

Die zeitliche Einordnung nach formalen Kriterien ist problematisch, da die Malerei Formenelemente unterschiedlicher Stilepochen miteinander vereint. Es sind jedoch die historischen Ereignisse, die uns Hinweise zur Entstehungszeit geben können. Mit den Jahren 1622 bis 24 verbinden sich umfangreiche Baumaßnahmen an Schloss und Vorwerk. Der festliche Charakter bringt sie zudem mit dem Ereignis einer Taufe in Zusammenhang, die unter Anwesenheit des Landgraf Georg von Hessen am 30.12.1624 auf dem Schloss begangen wurde.

Die Entdeckung der Wandgemälde geht auf das Jahr 1928 zurück. Eine umfassende Restaurierung, bei der die Festigung der Farbschicht, eine umfangreiche Reparatur von Putzergänzungen und eine auf Teilbereiche begrenzte Retusche im Mittelpunkt stand, erfolgte 1958.

Festsaal, Festernische II, Ochse, Vorzustand.

Saal 1.OG, Blick nach Osten, während der Bearbeitung durch H. Georgi 1958.

Der allgemeine Erhaltungszustand der Malereien ist als relativ stabil einzustufen. Es waren jedoch auf Teilbereiche begrenzte Schadensphänomene erkennbar, die auf die Infiltration von Feuchtigkeit und die Aktivität bauschädlicher Salze schließen ließen. Eine Ursache für die Ausprägung dynamischer Schadensverläufe ist die klimatische Situation des Raumes. Zusätzlich muss mit einem Eintrag von Feuchtigkeit durch den mangelhaften Baukörper gerechnet werden. Daneben waren eine Reihe von Schäden zu vermerken, die auf bauliche und restauratorische Maßnahmen der Vergangenheit zurückzuführen sind.

Die Sicherung der Malereien und eine präventive Stabilisierung stand im Mittelpunkt der Bearbeitung und beinhaltet eine Konsolidierung der Malschicht und loser Putzschollen- und Blasen, eine strukturelle Festigung des Putzes sowie die Reduzierung bauschädlicher Salze. Restauratorische Maßnahmen konzentrierten sich auf die Reparatur beschädigter Putzergänzungen und die Erarbeitung von Kriterien für die zukünftige Präsentation.

Als übergeordnetes Ziel der begonnenen Arbeiten steht die museale Nutzung der Burg Rabenstein und das Anliegen, dieses sächsische Kleinod mit seinen Wandmalereien auch in Zukunft den Besuchern präsentieren zu können.

Bearbeitungszeitraum: April 2005 bis Ende 2006

Auftraggeber: Burgverein Rabenstein e.V., Chemnitz

Beteiligte:

Dipl. - Restaurator Martin Lehmann, Dresden

Dipl. - Restauratorin Kerstin Förster, Dresden

 

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