Palais im Großen Garten, Dresden

Stuckdekorationen um 1680, Befunduntersuchungen an den Fassungen

Das Palais im Großen Garten ist mit seiner überkommenen Stuckdekoration ein herausragendes Zeugnis barocker Innenraumarchitektur in Sachsen. Durch die Zerstörung während des Krieges im Jahr 1945 ist die Wandgestaltung der Innenräume nur fragmentarisch erhalten geblieben. Die bewahrten Befunde vermitteln jedoch eine Vorstellung vom ursprünglichen Reichtum der Stuckaturen und der Vielfalt seiner Oberflächengestaltung.

Während September bis Dezember 2007 wurde durch Dipl. Restaurator Roland Lenz eine erste Untersuchung[1] der Farbfassungen an den Oberflächen im Saal und den Seitenräumen durchgeführt, mit dem Ziel eine Fassungschronologie für die verschiedenen Bauteile zu erarbeiten. Den zum Teil stark brandgeschädigten und fragmentarisch erhaltenen Oberflächen ist es geschuldet, dass für einige Architekturglieder die Frage nach der Stratigrafie der Fassungen nicht ausreichend beantwortet werden konnte. Basierend auf den Ergebnissen des Untersuchungsberichts wurde in den Monaten Februar und März 2008 eine weitere Untersuchung angeschlossen. Durch vertiefende Analysen in ausgewählten Bereichen konnten offene Fragen geklärt und eine erhöhte Informationsdichte geschaffen werden, die zuletzt zu einer gesteigerten Sicherheit bei der Interpretation der Ergebnisse führte aber auch die Grenzen einer Befunduntersuchung zur Farbigkeit eines brandgeschädigten Bestandes aufzeigte.

Querschliff, Mörtelprobe Stuck.

Querschliff, Farbfassungen auf der Stuckoberfläche.

Zusammenführung der Ergebnisse

Die Untersuchung machte deutlich, dass auf verschiedenen Architekturgliedern unterschiedliche Anzahlen von Fassungen vorhanden sind. So zeigen die Oberflächen der im unteren Wandbereich angesiedelten Bauglieder (Postamente, Sockel) wesentlich mehr Farbschichten als es beispielweise an den Oberflächen im Mezzaningeschoss der Fall ist. Eine Zuordnung der Schichten zu einer allgemeinen Raumfassung ist somit anhand der Stratigrafien nur begrenzt möglich. Der Vergleich von Bindemitteln und Pigmenten ermöglichte diesbezüglich jedoch eine wertvolle Interpretationshilfe.

Architekturglieder aus Sandstein

Durch die Gegenüberstellung der Ergebnisse an den Befunden konnte aufgezeigt werden, dass die aus Sandstein gearbeiteten Oberflächen in der Schichtenabfolge ihrer ersten Fassungen durchaus miteinander vergleichbar sind. An einer Vielzahl von Proben fanden sich deutliche Hinweise auf ein in den Sandstein eingedrungenes öliges Bindemittel. Alle Sandsteinoberflächen zeigen eine erste rot orange bis rot braun erscheinende dünne Fassung, die (außer bei den Basen) von einer Marmorierung gefolgt wird, bei der immer die charakteristischen kantigen Bleiweißpartikel und ein öliges Bindemittel aufzufinden war. Der Nachweis gelang über den Vergleich mit einer an der erhaltenen Marmorierung des Türgewändes im südlichen Seitensaal entnommenen Probe, welche die selben Merkmale aufzeigte. Eine Marmorierung für die Deckplatten der Postamente mit ihrem umlaufenden Mäander konnte nicht mit Sicherheit belegt werden, erscheint aber naheliegend. Wichtig erscheint, dass die entsprechende Fassung an den entnommenen Proben wesentlich dunkler und roter ausfällt als es bei den Proben der anderen Bauglieder der Fall ist.

Die weiße Folgefassung oberhalb der Marmorierung lässt sich sowohl auf den Postamentquadern als auch auf dem umlaufenden Sockel nachweißen. Auf dem Mäander der Deckplatte gab es diese Fassung nicht. Sie standen entweder weiterhin rot (marmoriert?) oder wurden mit dem folgenden weiß rötlichen Anstrich gefasst.

Auf den Basen finden sich nach der ersten rotbraunen Fassung mehrere Weißfassungen unterschiedlicher Abtönung, von denen die erste mit Bleiweiß und öligem Bindemittel ausgeführt wurde. Darauf folgen Schichten, die vor allem Bariumsulfat als Weißpigment aufweisen. Ob die erste rotbraune Schicht eine Sichtfassung war oder im Zuge der Eintönung aller steinsichtiger Oberflächen mitgestrichen und zeitnah weiß überfasst wurde, konnte anhand der Befunde und Proben nicht geklärt werden.

Konsole der Mezzaninfenster

Auf dem Akanthusblatt der Konsole des Mezzaninfensters wurde über einem weißen Kreideanstrich eine Ölvergoldung auf rotem Grund mit reinem Blattgold (Doppeldukatengold) nachgewiesen. Ob der weiße Kreideanstrich wie bei den angrenzenden Oberflächen des Weißstucks als Sichtfassung stand, oder die Oberfläche zeitnah vergoldet wurde, ließ sich nicht belegen.

Rankenfries im Kranzgesims

Der umlaufende Rankenfries des Kransgesimses ist ein aus weißem Gipsmörtel gegossener Versatzstuck auf dessen Rücklage sich bis zu drei rote Fassungen nachweisen lassen. Beziehungen zu den Rotfassungen anderer Bauglieder konnten nicht hergestellt werden.


[1] Roland Lenz: Palais im Großen Garten, Dresden, Fassungsanalysen zur historischen wandfesten Stuckausstattung des Festsaals, Dresden 2007.

Bearbeitungszeitraum: Februar/ März 2008

Auftraggeber: Sächsisches Immobilien- und Baumanagement, Dresden

Auftragnehmer: Dipl. Restaurator Martin Lehmann, Dresden

 

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