Marcolinihaus in Moritzburg, Malereien im Haupthaus

Untersuchung und Erstellung einer Konzeption für die Konservierung

 

Das Marcolinihaus verdankt seinen Namen seinem ursprünglichem Eigentümer Camillo Graf Marcolini – Ferretti (1739-1814), der als sächsischer Minister und Generaldirektor der Künste unter Kurfürst Friedrich August III diente. Der als Wirtschaftsgebäude genutzte und später als Oberförsterei ausgebaute Gebäudekomplex liegt auf dem Gelände des Moritzburger Fasanenschlösschens.

Basierend auf den bisher erfolgten Untersuchungen wurde im Rahmen eines Studentenpraktikums mit Studenten der HfBK Dresden der Bestand im Obergeschoss des Haupthauses vertiefend erforscht und technologisch untersucht. Die hierbei durchgeführten Untersuchungen beinhalteten folgende Schwerpunkte:

  • Erfassung der Stratigrafie von Putz- und Farbschichten sowie der Struktur des Baukörpers

  • Erfassung der Materialien, Charakterisierung der vorgefundenen Mörtel, Herstellung von Materialzusammenhängen

  • technologische Untersuchung des Malereibestandes und der farbigen Architekturgliederung

  • Historische Bewertung des Bestandes und Rekonstruktion der Baustruktur und der Raumgestaltungen

Rekonstruktionszeichnung Sockel, Fassung Nr. 2.

Rekonstruktionszeichnung Sockel, Fassung Nr. 1.

Untersuchung

 

Die vorliegende Untersuchung des Bestandes erbrachte hinreichende Erkenntnisse über die farbige Gestaltung im Obergeschoss des Haupthauses. Der Untersuchungsschwerpunkt lag dabei auf der durch Graf Marcolini veranlassten baulichen Veränderungen und beauftragten Dekorationsmalereien. Dabei wurde gewahr, das die Struktur des Vorgängerbaus in den untersuchten Bereichen weitestgehend erhalten blieb und lediglich an seiner äußeren Hülle Veränderungen vorgenommen wurden. Aus dieser Tatsache begründet sich die unsymmetrische Aufteilung der Räume und die scheinbar willkürliche Lage der Fenster in den Zimmern sowie an der Ostfassade. Hier wird mit aller Deutlichkeit sichtbar, dass es sich um einen umgenutzten Bau handelt, der mit einfachen und wenig kostspieligen Mitteln seiner neuen Funktion angepasst wurde. Trotzdem sind die aus der Zeit Marcolinis stammenden Dekorationssysteme von außerordentlicher Bedeutung und hoher künstlerischer Qualität. Für das Obergeschoss konnten zwei Gestaltungsphasen festgestellt werden, die formal aufeinander Bezug nehmen. Den gestalterischen Höhepunkt bildete der zentrale Saal mit seinen figürlichen Malereien in den illusionistischen Bildfeldern, an dem sich zu beiden Seiten kleinere Kabinette mit ausschließlich dekorativer Malerei anschlossen. Hierzu wurden farbige Rekonstruktionszeichnungen der Sockel angefertigt.

Freilegeprobe an der Decke.

 

Maltechnik

Durch die vorliegenden Analyseergebnisse gelingt es, die angewandte Maltechnik genauer zu charakterisieren. Dabei handelt es sich um eine Seccotechnik, bei der als Bindemittel ein Temperasystem Anwendung fand. Die für die Malfarben verwendeten Pigmente sind für die spätbarocke Malerei typische Begleiter und bestätigen die zeitliche Einordnung der Gemälde. Insbesondere das blaue Pigment Smalte ist ein seit der Renaissance bis ins 18. Jh. weit verbreitetes Pigment.

Bei den Metallauflage handelt es sich um eine Mordenttechnik, bei der heißes Wachs als Anlegemittel aufgetragen und dann das Metall als Blattmetall oder Flittermetall appliziert wurde. Zukünftig sollten hier weitere Untersuchungen zur Legierung der Metallauflagen durchgeführt werden.

Freilegeprobe an der Ostwand.

Konservierungskonzept

Im Mittelpunkt der Konzepterarbeitung stand die Erprobung verschiedener Möglichkeiten der Freilegung mit nachfolgender Stabilisierung der Malerei. Teilbereiche der Malerei lassen sich nur unter erheblichen Zeitaufwand und mit hoher Sensibilität freilegen. Bei den getesteten Freilegetechniken waren die mechanischen Verfahren am erfolgreichsten und werden für die zukünftige Bearbeitung weiterempfohlen.

Bearbeitungszeitraum: Mai bis November 2008

Auftraggeber: Eigentümer Sylvio Stelzer

Auftragnehmer: Dipl. Restaurator Martin Lehmann, Dresden

in Zusammenarbeit mit der HfBK Dresden, Studenten der Fachklasse für Konservierung von Wandmalerei

 

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