Kurländer Palais in Dresden, Stuckdekorationen, um 1774

Untersuchung und Erstellung einer Konzeption für die Konservierung

Trotz der massiven Zerstörung während des Zweiten Weltkrieges gibt der im Kurländer Palais erhaltenen Bestand an Wandgliederungen und Stuckdekorationen einen Eindruck über die ehemals vielfältige Ausgestaltung der Innenräume. Die teilweise äußerst fragmentarisch erhaltenen Substanz an Putzen und Stuckaturen geht einerseits auf die Erbauungszeit des Gebäudes 1728/29 zurück. Ein Großteil des heute sichtbaren Stuckdekors entstand jedoch während der späteren Rokokobauphase (1774) im Auftrag des damaligen Eigentümers Herzog von Kurland, welcher eine weitreichende Neugestaltung der Innenräume veranlasste.

Historische Aufnahme um 1930, Großer Gartensaal.

Polimentvergoldung als zweite Fassung über Weißfassung.

Aufgabenstellung

 

Das Anliegen der vorliegende Untersuchung ist es, die Materialien und angewandten Technologien des Bestandes an Putz und Stuck zu erforschen und damit eine für die konservatorische Behandlung erforderliche Basis zu schaffen. Zudem sollen durch eine stratigrafische Untersuchung ausgewählter Bereiche bislang offenen Fragen zur ursprünglichen Farbigkeit der untersuchten Räume geklärt werden. Es muss jedoch im Vorfeld darauf hingewiesen werden, dass durch die extreme thermische Belastung während der Bombardierung sowie die anschließende jahrzehnte lange offene Bewitterung mit einer starken Beeinträchtigung des Bestandes zu rechnen ist. Dies erschwert eine Interpretation. Die Bestimmung von Farbwerten ist nicht zweifelsfrei möglich, da immer mit einer thermischen Pigmentveränderung insbesondere von Erd- und Bleipigmenten gerechnet werden muss.

Durch den fragmentarischen Erhaltungszustand des Bestandes war es oftmals nicht möglich ein vollständiges Bild des ursprünglichen Gestaltungssystems eines Raumes zu entwerfen. Häufig ermöglichten die spärlich vorhandenen Reste nur eine gesicherte Aussage für einen bestimmten Bereich oder ein bestimmte Bauglied. Für die Gestaltung der Decken haben sich in keinem der untersuchten Räume Befunde erhalten. Bezüglich der angewandten Technologie war es hingegen einfacher möglich allgemeingültige Aussagen zu treffen.

Die denkmalpflegerischen Zielstellung sieht die Erhaltung und Präsentation des Bestand an Putzen und Stuckdekorationen vor. Mit dieser Forderung verbindet sich zunächst die Notwendigkeit den erhaltenen Bestand konservatorisch zu sichern. Mit der vorliegenden Arbeit wurde ein Konzept für die konservatorische Bearbeitung entwickelt. Dazu wurden zunächst verschiedene Materialien und Techniken im Kleinen ausgetestet und beurteilet. Anschließend erfolgte die Umsetzung der ausgewählten Verfahren fünf verschiedenen Probeflächen und eine Beurteilung der Ergebnisse. Die vorgeschlagenen Maßnahmen berücksichtigen dabei den zum Teil stark fragmentarischen Erhaltungszustand und die besondere Problematik bauschädlicher Salze.

Aufhellung der Stuckmarmoroberfläche nach der Reinigung (oben).

 

Verschieden eingefärbte Stuckmörtel.

Ergebnisse

Die am Probenmaterial angestellten Untersuchungen zum technologischen Aufbau ergaben eine weitestgehende Übereinstimmung der Mörtelgefüge und Bindemittel auch bei nachweislich unterschiedlichen Zeitebenen. Die in den Mörteln verwendeten Sande ähneln sich in ihrer Korngröße, -form und -farbe sowie in ihrem Mineralbestand (hoher Quarzanteil). Hinsichtlich der Bindemittel lässt sich bei den untersuchten Wand- und Unterputzen immer ein gewisser Gipsanteil nachweisen. Wenngleich sich durch die angewandten Analyseverfahren lediglich qualitative Aussagen treffen lassen, belegen die im Gefüge enthaltenen Kalkspatzen einen weitaus höheren Kalkanteil im Bindemittel. Leichte Unterschiede ergaben sich beim Vergleich der Querschliffe in der Korndichte (Partikel- Matrix – Verhältnis). Die Ähnlichkeit der untersuchten Mörtelgefüge begründet sich vermutlich in der zeitlichen Nähe der vorgenommen baulichen Veränderungen. Die für die Dekoration der Innenräume angewandten Techniken hatten sich kaum weiterentwickelt. Auch die für das Baumaterial verwendeten regionalen Ressourcen standen nach wie vor zur Verfügung.

Die durch Gipsglättschichten bzw. Stuckmarmor veredelten Oberflächen unterscheiden sich kaum in ihrer technologischen Herstellung. Der Auftrag erfolgte größtenteils nach einer gewissen Trocknungsphase des darunter liegenden Unterputzes mit anschließender Glättung und Verdichtung der Oberfläche. Bei den verwendeten Stuckmassen handelt es sich einerseits um reine Gipsmörtel ohne Zuschlagspartikel oder um Gips-Kalkmörtle mit einen mehr oder wenigern hohen Anteil feiner Zuschlagspartikel.

Mit den vorgeschlagenen konservatorischen Maßnahmen ist es möglich einen Großteil der stark geschädigten Stuckdekorationen und Putze des Kurländer Palais zu erhalten. Dabei ist die Konsolidierung gelockerter und absturzgefährdeter Substanz eine der größten Herausforderungen bei der Umsetzung des Konzeptes und ist teilweise mit einem hohem Bearbeitungsaufwand verbunden. Durch die erfolgreiche Anwendung der Verfahren in den Probefeldern wurde eine Planungsgrundlage geschaffen, auf deren Basis der konservatorische Umfang genauer abzuschätzen ist.

Mit den vorgeschlagenen Materialien und Techniken gelang eine ausreichende Stabilisierung und Sicherung des Bestandes. Zudem wurde durch die Reinigung der Oberflächen und die Abnahme lockerer oder verkrusteter brandgeschädigter Fassungsreste eine Grundlage geschaffen, die eine Einbindung originaler Substanz bei zukünftigen Rekonstruktionsvorhaben ermöglicht. Dabei gewährleistet die erreichte Tragfähigkeit und Stabilität des Untergrundes den erneuten Auftrag einer Farbfassung bzw. die Ergänzung und Rekonstruktion verloren gegangener Stuckdekorationen und Putze mit den geeigneten auf das Original abgestimmten Materialien.

Bearbeitungszeitraum: August/ September 2008

Auftraggeber: Landesamt für Denkmalpflege Sachen

Auftragnehmer: Dipl. Restaurator Martin Lehmann, Dresden

 

zurück