Stiftskirche St. Servatius in Quedlinburg, Kapelle St. Nicolai

Konservierung der mittelalterlichen Putze

Die Kapelle St. Nicolai ist als Teil der Stiftskirche St. Servatius von besonderer bauhistorischer Bedeutung. Ihre Erbauung wird im 10.Jh. vermutet. Sie gehört damit zu einem der ältesten Bereiche des sakralen Baukomplexes. Neben der aus Kalkstein gefertigten Bauplastik der Säulen hat sich ein Teilbestand mittelalterlicher Putze an den Wänden und Gewölben erhalten. Durch die unterbliebene Baupflege in der Vergangenheit präsentierte sich der Raum in einem äußerst verwahrlosten Zustand. Der rasche Zerfall von Putz und Mauerwerk zeigte sich an den immer wieder entstehenden Schuttkegeln entlang der Wände. Durch die Vielzahl hohl liegender, gelockerter und absturzgefährdeter Putzschollen ergab sich eine starke Gefährdung des mittelalterlichen Bestands.

In einer ersten Notsicherungsmaßnahme im Herbst 2008 wurden stakt gefährdete Bereiche mittels Fasing (Schutzbeklebung), Hinterfüllung und Putzanböschung gesichert. Zudem erfolgten Untersuchungen zum Salzgehalt im Mauerwerk, die im vorliegenden Bericht ausgewertet werden. Die hohen Salzgehalte bestätigen die Vermutung, dass es sich bei den Schäden um Verwitterungsprozesse handelt, die insbesondere durch die Wirkung bauschädlicher Salze und Feuchtigkeit hervorgerufen wurden.

Kapelle St. Nicolai, Südwand.

Deformation und Abhebung des Putzmörtels.

Aufgabenstellung

Vor Beginn der Maßnahmen war zunächst die Erfassung der historischen Mörtel gefordert. Diese wurden aufbauend auf zurückliegende Untersuchungen in einem Befundblatt Mörtel erfasst und in einem Mörteldatenblatt beschrieben. Zudem erfolgte die Erstellung einer Bestandskartierung, die die Verteilung der vorgefundenen Mörtel visualisiert. Für die Kartierungsgrundlage wurden die vom Landesamt für Denkmalpflege Halle zuvor angefertigten Schwarz/weiß- Aufnahmen im Mittelformat verwandt, digital bearbeitet und maßgerecht entzerrt. Die Fotografien dokumentieren den Zustand vor der Bearbeitung.

Im Mittelpunkt der konservatorischen Bearbeitung stand die Erhaltung des mittelalterlichen Putzbestandes und seiner Fassung (Kalktünche). Eine starke Herausforderung an die technologische Konzeptentwicklung ergab sich aus der Kombination der Mörtelvarietäten (Kalk- und Gipsmörtel) sowie der geringen Affinität des Deckputzes zu Wasser. Zudem war die Problematik leichtlöslicher Salze bei der konzeptionellen Auseinandersetzung zu berücksichtigen.

Die Ergänzung des verlorengegangenen Putzes bedeutete insbesondere für die westliche Hälfte des Raumes einen fast flächigen Neuverputz. Bei der Entscheidung wurden zum Einen die Wünsche der Kirchgemeinde respektiert. Andererseits war es aus konservatorischer Sicht erforderlich durch eine Art Opferputz die starken Verwitterungserscheinungen am Mauerwerk und den historischen Mörteln in der Zukunft einzuschränken. Die Maßgaben für Material und Technologie wurden an einer Musterfläche erarbeitet. Dabei wurden auch Fragen der Präsentation und Oberflächenbearbeitung berücksichtigt.

Bestandskartierung Mörtel.

 

Bestandserfassung der Mörtel.

Bearbeitungszeitraum: 2008-09
Auftraggeber: Kirchspiel Quedlinburg e.V.
Auftragnehmer: Dipl. Restaurator Martin Lehmann, Dresden

 

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