Gewölbemalereien in der Krypta der Stiftskirche St. Servatius in Quedlinburg

Klimaüberwachung und Zustandskontrolle

Mit dem Abschluss der konservatorischen Bearbeitung der Gewölbemalereien im Jahr 2006 wurde ein Zustand geschaffen, der hinsichtlich schädigender Prozesse auf lange Sicht Stabilität gewährleistet. Trotzdem ist es erforderlich den Zustand der Malereien durch eine jährliche Kontrolle zu überprüfen und damit ihren Erhalt dauerhaft sicherzustellen. Dies ermöglicht ein frühzeitiges Erkennen schadensdynamischer Entwicklungen und ein rechzeitiges Handeln bei der Behebung etwaiger Missstände. Die Beobachtung soll einerseits eine allgemeine Zustandskontrolle der gesamten Gewölbefelder beinhalten. Andererseits ist eine Überwachung in zwei ausgewählten Bereichen in Form eines „Monitorings“ erforderlich.

Neben der Zustandskontrolle ist eine Auswertung der aufgezeichneten Klimadaten erforderlich. Die seit Februar 2007 mit einer neuen Messeinrichtung versehenen Räume der Krypta können nun hinsichtlich Ihrer klimatischen Besonderheiten besser beurteilt werden, insbesondere ist die Auswirkung der baulichen Veränderungen (Schließung und Abdichtung von Fenster und Türen; Öffnung der zum Langhaus führenden Gittertür) nun mit aller Sicherheit zu bewerten. Die damit für die Gewölbemaliereien verbundenen Auswirkungen sind zu überprüfen.

Überschreitungen der festgelegten Grenzwerte von 50-80% rF.

Abhängigkeit der Temperatur von der Sonneneinstrahlung.

Klimamessung

Eine Vielzahl der in der Vergangenheit benannten Mängel am Baukörper wurden kontinuierlich behoben und führten nachweislich zu einer positiven Stabilisierung des Raumklimas. An erster Stelle ist in diesem Zusammenhang die Reparatur der Bleiverglasungen und die Abdichtung der Tür des Nordportals zu nennen. Der verminderte Luftaustausch führte zu einer Verringerung der Luftfeuchteschwankungen und einer Verminderung der Feuchtekondensation in den Frühsommermonaten. Ein eher negativer Effekt ergab sich vor allem durch die Schließung der Gittertür zum Langhaus. Durch den verminderten Luftaustausch mit dem Kirchenschiff kam es im Jahr 2006 zu einer Aufkonzentration der Luftfeuchte.

Die erhöhte Luftfeuchte führte zu einem vermehrten Salzphasenwechsel des in der Krypta vorgefundenen Natriumnitrats und damit zu einem erhöhten Auftreten von Lösungs- und Kristallisationsprozessen. Zudem war durch die hohe Luftfeuchte eine erhöhte Gefährdung der Malereien durch Mikroorganismen zu befürchten. Um dieser Situation vorzubeugen wurden die aus Sicherheitsgründen während der Bearbeitung verschlossenen Zugänge zum Kirchenschiff am 26.06.2007 wieder geöffnet. Damit sollte eine Entlüftung des Raumes und eine schonenden Austrocknung durch das nachweislich trockenere Klima des Kirchenschiffs realisiert werden.

Die Temperatur des Innenraums folgte in der Vergangenheit den jahreszeitlichen Schwankungen relativ ausgeglichen. Dabei waren die täglichen Schwankungen der Temperatur sind minimal. Der Gefrierpunk wurde seit Anfang der Messungen im Jahr 2001 in keinem Jahr unterschritten.

Salzphasenwechsel im Jahr 2007.

Darstellung von Grenzwertüberschreitungen.

Zustandskontrolle

Im Rahmen der Wartung an den Gewölbemalereien im Jahr 2008 erfolgte zunächst eine allgemeine Zustandskontrolle in allen Gewölbefeldern. Diese wurden vom Gerüst aus bei unterschiedlichen Lichtsituationen (Streiflicht, Frontallicht) visuell hinsichtlicht möglicher Schadensphänomene untersucht. Die Untersuchung konzentrierte sich dabei auf die aus der Vergangenheit bekannten Schadbilder, insbesondere auf eine Neubesiedlung durch Mikroorganismen, Salzausblühungen, substanzielle Schäden der Oberfläche und Oberflächenveränderungen. Neu entstandene Schadenbilder wurden in einem Phänomenologischen Katalog durch Fotos dokumentiert und beschrieben.

Die Erfassung und Beurteilung erfolgte je Gewölbefeld anhand eines Datenblattes, in dem die wesentlichsten Phänomene abgefragt und auf der beigefügten Fotografie grafisch dokumentiert wurden. Zudem wurden Vermutungen zu den Ursachen der neuerlichen Schädigung angestellt und eine Definition des Handlungsbedarfs und der zukünftig erforderlichen Maßnahmen vorgenommen. Durch die Anfertigung dieser Datenblätter ist es in Zukunft möglich Schadensverläufe zu dokumentieren und bei entsprechender Schädigung zeitnah die erforderlichen Maßnahmen zur Schadensbegrenzung einzuleiten.

Eine zusätzliche Beurteilung des Zustandes erfolgte in Form eines Langzeitmonitorings an zwei ausgewählten Referenzflächen in den Feldern XV und IV. Hierzu wurden auf einer Fläche von 14 x 10,5 cm georeferenzierte Makroaufnahmen angefertigt, die es ermöglichen, langfristige Veränderung der Malereioberfläche zu dokumentieren. Jede Makrofotografie bildet eine Fläche von 2 x 1,5 cm ab und gestattet so eine detailgenaue Darstellung bis zu einer Vergrößerung im Maßstab von 7:1. Durch diesen hohen Abbildungsmaßstab können kleinste Veränderungen aufgezeichnet werden. Dabei erleichtert das auf einer Folie aufgedruckte Suchraster zukünftig die exakte Auffindung des fotografierten Ausschnittes.

Die Darstellung der Makroaufnahmen wurde dabei im Webbrowser realisiert, mit dessen Hilfe die genaue Lage der Fotografien dokumentiert werden kann. Zudem ermöglicht sich ein schnelles Zugreifen und Auffinden und der direkte Vergleich zwischen den Abbildungen verschiedener Jahre.

Zum Monitoring der Referenzflächen

Bearbeitungszeitraum: seit 2007

Auftraggeber: Landesamt für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt, Kirchspiel Quedlinburg e.V.

Auftragnehmer: Dipl. Restaurator Martin Lehmann, Dresden

 

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