Schloss Löbichau

Restauratorische Untersuchung zu den Farbfassungen am Stiftsgebäude und am Portikus des Schlossflügels

In mittelalterlichen Quellen wird der Ort Löbichau schon seit dem 14. Jahrhundert mit dem Standort eines Rittergutes in Verbindung gebracht. Seit dem 16. Jahrhundert sind zahlreiche Besitzerwechsel belegt. Aus dieser Zeit stammt auch das alte Herrenhaus (heute Stiftsgebäude). Ein Brand zerstörte 1766 große Teile der Gutshäuser, die in den Folgejahren als dreiflüglige Anlage wieder aufgebaut wurden. Die heutige Gestalt des Schlosses geht wesentlich auf die Bautätigkeit der Herzogin Anna Dorothea von Kurland zurück, die das Gut seit 1795 in ein klassizistisches Schloss mit englischem Gerten umgestalten ließ. Bis 1800 entstanden neben dem Schlossflügel mit vorgelagerter klassizistischer Säulenhalle die meisten der zahlreichen Wirtschaftsgebäude auf dem weitläufigen Gelände.

Nach dem Verkauf des Rittergut durch die kurländlichen Erben erfolgten seit 1908 erneute Umbauten für die Nutzung der Gebäude als Damenstift (Johanna- Luisenstift), in welchem in den Folgejahren eine wirtschaftliche Frauenschule eingerichtet wurde. Auf diese Umbauphase geht beispielsweise der Ausbau des Stiftsgebäudes zurück, das um ein weiteres Geschoss vergrößert wurde.

Nach 1945 wurde ein Alten- und Pflegeheim im Schloss eingerichtet und umfangreiche Umbauten und Sanierungen an der Anlage durchgeführt. So geht der Anbau eines Fahrstuhlturms, der Herrenhaus und Schloss miteinander verbindet auf die weitreichenden Maßnahen des Jahres 1987 und 88 zurück.

Westfassade mit Portikus.

Befundstelle am Säulenkapitell, Portikus.

Untersuchung

Die restauratorischen Untersuchung beschränkte sich auf ausgewählt Gebäude und Bauglieder des Schlosse Löbichau. Sie beinhaltete eine Erforschung der Säulenhalle des Schlossflügels sowie Erdgeschoss, Obergeschoss und Fassade des Stiftsgebäudes. Ziel war es, die älteren Farbfassungen anhand von Befunden zu dokumentieren und Aussagen über die ursprüngliche Farbigkeit treffen zu können. Ein Großteil der Oberflächen wurde jedoch in jüngster Vergangenheit Anfang des 20. Jahrhunderts und während einer Umbauphase zu DDR-Zeiten stark überformt. So ließen sich abgesehen von den Stuckdecken des Stiftsgebäudes und einigen Türen nur vereinzelt ältere Fassungen belegen. Diese sind zumeist monochrom in weiß oder hellen Farbtönen gehalten und weisen in den wenigsten Fällen Differenzierungen bzw. Gliederungen auf. Nur an zwei Befunden konnten am Wandanschluss zur Decke Schwarze Begleitstriche aufgedeckt werden.

Befundstelle im Stiftsgebäude, Schablonierung.

Befundblatt, Datenbank.

Demgegenüber konnten trotz der starken Überformung im Außenbereich gesicherte Befunde zur ursprünglichen Farbgebung von Fassade und Portikus erhoben werden. Der gesamte Portikus war auf allen seinen Baugliedern ursprünglich weiß gefasst. Ein Nachweis für die Farbigkeit der Vorhalle im Erdgeschoss und der Säulenschäfte konnte jedoch nicht erbracht werden. Die Fassade des Stiftsgebäudes zeigte eine ursprünglich hellgelbe Fassung mit weiß abgesetzten Fensterfaschen. Zu allen Farbbefunden erfolgte eine Bestimmung der Farbwerte nach NCS.

Bearbeitungszeitraum: Februar/ März 2009

Auftraggeber: Schmöllner Heimbetriebsgesellschaft mbH

Auftragnehmer: Dipl.-Restaurator Martin Lehmann, Dresden; Dipl.-Restaurator Johannes Schaefer, Altenburg

 

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