Wandmalereizyklus in der Gozzoburg, Krems in Österreich

Malerei um 1270, Stationen aus dem Leidensweg Christi

 

Technik und Aufbau

  • glimmerhaltiger grauer Kalkputz, leicht wellig mit gut geglätteter Oberfläche

  • dünne Kalktünche als Malereiträger mit deutlich sichtbarem Pinselduktus

  • Anlage der Malerei mit roter Unterzeichnung in die frische Kalktünche

  • Übertragungshilfen sind teilweise nicht eindeutig zu erkennen: deutliche Einstichstellen für den Zirkelschläge der Nimben, Vorritzung der Registerrahmungen und der Mandorla

  • nach Ausführung der Unterzeichnung erfolgte die Anlage der Lokalfarben der Hintergründe und Gewänder

  • Modellierung von Gesichtern und Gewändern ist kaum mehr erhalten

  • schwarze Konturlinien von Registerrahmen, Nimben, Gewändern (auch Judenhüte und Waffen)

  • Nimben evtl. ursprünglich mit Metallauflage versehen (schwarze Partikel, evtl. verschwärztes Silber)

Zustand

  • stark verstaubte Oberfläche

  • große eingetönte Kittungen mit starken Schwundrissen v.a. am linken unteren Bildrand, überdecken teilweise die Malereioberfläche

  • Beschädigung der Vergangenheit: Freilegesputen (Hacker, Kratzer), Kalkspritzer

  • kleinteilige Ausbrüche der Kalktünche über Glimmerpartikel

  • krustenartige Aufwachsungen v.a. in den oberen Bildbereichen

  • vertikaler Setzungsriss, verzweigt mit teilweise weit geöffneten Rissflanken mit Putzausbrüchen

  • vereinzelt in den Rissbereichen und im Bereich von Putzergänzungen Putzablösungen

  • inhomogene gelblich fleckige Gesamterscheinung (vermutlich durch die Gipsversinterung der Oberfläche verursacht)

  • v.a. in den Rot- und Gelbbereichen der Malerei deutlich erkennbare Retuschen, teilweise wurden Linienverläufe der Unterzeichnung nachgezogen

Detail während der Reinigung

Vor der Bearbeitung

Maßnahmen

  • Abnahme großer Kittungen mit starken Schwundrissen, Feilegung der Malerei in den Randbereichen

  • Verklebung lockerer Putzschollen und Hinterfüllung von Hohlstellen

  • Reinigung und Gipsumwandlung mit Anionenaustauschharz (1-2h Einwirkungszeit)

  • Abnahme von Kalkspritzern, Tüncheresten und flächigen Retuschen v.a. in der linken unteren Bildecke

  • Ergänzung der abgenommenen Kittungen mit Kalkmörtel mit geglätteter Oberfläche

  • Verfunklungen an den Rändern der Kittungen mit Wasserstoffperoxid 30%ig behandelt

  • zurückhaltende „Aqua sporca“ –Retusche mit Aquarellfarben

Nach der Bearbeitung

Bearbeitungszeitraum: Juli 2007

Auftraggeber:  Dipl. Restaurator Jörg Riedel, Wien

Beteiligte:

Dipl. - Restaurator M. Lehmann, Dresden

Restauratorin M.A. Stephanie Bogin, London

 

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