Studenten lüften Geheimnis des Marcolini-Hauses

Sächsische Zeitung; 17.02.2010

Die in dem Moritzburger Denkmal freigelegten Wandmalereien aus dem 18. Jahrhundert sind besser erhalten als vermutet.

Diplomrestaurator Martin Lehmann ist begeistert: "Was wir im ehemaligen Tafelzimmer des Marcolini-Hauses entdeckt haben, kann man ohne Übertreibung als Sensation bezeichnen." Unter der fachkundigen Anleitung des 34-Jährigen haben Studenten der Dresdner Hochschule für bildende Künste mehrere große Wandbilder unter später aufgetragenen Farbschichten hervorgeholt.

Eines davon, an der dem Fasanenschlösschen zugewandten Seite, ist besonders gut erhalten. Es zeigt neben dem Schlösschen das im Vorjahr zum Besucherzentrum umgebaute einstige Hofküchengebäude sowie mehrerer Personen und Tiere. Nur in der Mitte stört ein großer weißer Fleck. Das Bild nahm dort Schaden, als an der Fassade die heute noch vorhandenen Hirschköpfe angebracht wurden. "Das Wandgemälde liefert übrigens den Beweis, dass das Hofküchengebäude seinerzeit von einem kleinen Türmchen gekrönt wurde", sagt Silvio Stelzer, der Eigentümer des Marcolini-Hauses.

Wie im Fasanenschlösschen

Dass die wieder ans Licht geholten üppigen Wandbemalungen sehr stark denen im Fasanenschlösschen ähneln, ist kein Zufall. Im Auftrag Friedrich August III. hatte der kurfürstliche Kammerherr Graf Camillo Marcolini Mitte des 18. Jahrhunderts das Schlösschen bauen lassen. Danach gestaltete er das einstige Fasanenwärterhäuschen zu seinem Landwohnsitz um.

Bei der Ausgestaltung seines Anwesens wollte der Adelige seinem Fürsten offenbar nicht nachstehen - im Gegenteil: "Die Rahmen der Wandbilder sind mehr verschnörkelt als im Fasanenschlösschen", sagt Stelzer. "Und außerdem mit einer Mordentvergoldung versehen", ergänzt Lehmann. Zudem ergaben Untersuchungen des Dresdner Denkmalpflegebetriebes Schmalhofer und ein erster Einsatz der Studenten im Jahr 2008, dass auch die Nebenräume mit einer selbst für das Barock großzügigen Ausstattung versehen waren. "Zwar sind die Wände dort nicht mit figürlichen Malereien, dafür aber mit einer reichen Ornamentik und mit Sockeln versehen", sagt der Restaurator.

"Aber offenbar ist im öffentlichen Bewusstsein noch nicht klar, was für einen Schatz das Haus birgt", ergänzt Lehmann. Zwei Förderanträge des Bauherrn seien bisher abgelehnt worden.

Für die Studenten des 3. und 4. Studienjahres der Fachklasse für Restaurierung, Wandmalerei und Architekturfarbigkeit ist das Marcolini-Haus ein einzigartiges Objekt. "Es macht sehr viel Spaß, längere Zeit an einer Sache zu arbeiten", sagt Susanne Dommel. "Man sieht hier sehr schön die Fortschritte und es ist gespannt, was sich noch unter den Farbschichten verbirgt."

 

Susanne Dommel hat gemeinsam mit weiteren Studenten der Dresdner Hochschule für bildende Künste schon zum zweiten Mal im Marcolini-Haus im Moritzburger Fasanengarten gearbeitet.Fotos: SZ/Sven Görner (2)

Mühevolle Geduldsarbeit

Jede davon verlangt ein anderes Herangehen. Mal ist ein kleiner Hammer das richtige Werkzeug, um ans Ziel zu kommen. An einer anderen Stelle sind die Studenten mit dem Skalpell erfolgreich. Sehr pudrige Leimfarben lassen sich sogar nur mit einem Pinsel abtragen. Als besonders harte Nuss erwies sich dagegen ein teilweise direkt auf die alte Malerei aufgetragener Ölsockel. "Hier hilft manchmal nur Lösungsmittel", sagt Lehmann.

Doch die Studenten erproben während ihres Einsatzes nicht nur die unterschiedlichen Techniken zum Freilegen der Wandmalereien. Sie versuchen auch, deren Inhalte zu deuten. Auffällig ist in allen Bildern das Zusammenspiel von Mensch und Tier. Die Vermutung Stelzers, dass die gestürzte Person im Bild mit dem Fasanenschlösschen gar der Kurfürst selbst sein könnte, ist aber sicher eher unwahrscheinlich. Eine solche Darstellung wäre dann wohl doch zu respektlos gewesen.Stelzer möchte gern die Raumstruktur des einstigen Tafelzimmers wiederherstellen. Diese wurde schon beseitigt, als der Oberförster in das Haus einzog. Mit dem Denkmalschutz muss nun geklärt werden, in welchem Umfang die Malereien restauriert und in Einklang mit einer von Stelzer angestrebten Nutzung gesichert werden können. 

Sven Görner

 

 

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